Historisches: unsere Vergangenheit     Seite_(1)  2__3__4      Startseite  

tung, auf diese Maßnahme zu verzichten, da im neu zu-
geteilten Grabland im ersten Jahr noch kaum eine
erträgliche Ernte erwartet werden kann, bleibt ohne Er-
folg. Also Grabland ja, Ernte kaum, Gemüse im Laden
nein.
Die Neubürger, 66 an der Zahl, ernennen am 28. April
1947 einen Vorbereitungsausschuss. Es soll ein Mitglie-
derverein gegründet werden. Und bereits am 26. Juni
1947 findet eine konstituierende Mitgliederversammlung
statt, in der ein erster gewählter Vorstand gebildet wer-
den kann, eine erste Satzung verabschiedet wird, der
Mitgliedsbeitrag auf RM 1,- festgesetzt wird und der
Name "Gemeinschaft Usa-Gärten" festgelegt wird. Erst
später, mit der Eintragung beim Registergericht (1952),
wird der Name um den Zusatz "e.V." ergänzt. Und der
Vorstand beginnt seine Arbeit: Bitte um Bezugscheine
bei der Hessischen Landwirtschaftsverwaltung, um im
Taunus Holzpfähle für eine Einfriedung der Gärten er-
werben zu können, Antrag beim Landesverband um Be-
zugscheine für Maschendraht, Nachsuche beim offen-
bar zuständigen Butzbacher Gartenverein, Bezugschei-
ne für Gartengeräte zu bekommen.

Und der Verein erhält (für alle Mitglieder) Bezugscheine
für z.B. 2 Spaten (Preis je RM 5,45), 2 Rechen (je RM
1.10), insgesamt 21 Geräte sowie l Baumschere,
1 Baumsäge und 1 Gießkanne! Welch ein Reichtum.


Das Interesse an der Arbeit des Vereins war groß; mo-
natlich fanden Mitgliederversammlungen statt, um
Informationen über allgemeine Verwaltungsangelegen-
heiten, insbesondere die Arbeit des Flüchtlingsaus-
schusses und die Vereinsstruktur zu erhalten. Man lebte
damals in einem unsicheren Raum, wie auf dem Pulver-
fass: Können wir bleiben, wer wird vor die "Spruch-
kammer" zitiert, wie sollen wir mit einem wertlosen Geld,
der Reichsmark, leben?

Es werden trotzdem Feste gefeiert: Eine "Dear Madam",
vielleicht die amerikanische First Lady in Bad Nauheim,
wird gebeten, für eine Kinderweihnachtsfeier Kakao,
Milchpulver und Backwaren zu stiften. Aber für Sonder-
veranstaltungen sind Genehmigungen der Militärregie-
gierung, später der Polizei notwendig.


Im Frühjahr 1948 wird beschlossen, den Mitgliedsbei-
trag nur noch vierteljährlich mit je RM -,25 zu erheben,
da man mit einer Währungsreform rechnet. Mit dem
Datum 20. Juni 1948 schmilzt auch das bis dahin ange-
sammelte Vereinsvermögen auf DM 50,- zusammen.
Aber die Stadt Bad Nauheim hilft mit einem Darlehn von
DM 1.200,- und einem Zuschuss von DM 750,- für die
Herrichtung der Zäune aus.

Veranstaltungen für den Rest des Jahres müssen aber
Auszug aus der Festschrift:
(Text von Friedemann Claar)

Viele Dinge, die von den Anfängen des Vereins zu be-
richten sind, werden jüngeren Mitgliedern und Gästen
wie aus einer fremden Welt erscheinen. Das Kriegsende
liegt noch nicht weit zurück, Großstädte haben unter
Bombenangriffen erheblich gelitten, auch in Bad Nau-
heim hat es Opfer und Schäden gegeben und Flücht-
lingsströme aus den östlichen Provinzen ergiessen sich
über das Land. Es mangelt an Wohnraum, an Heizma-
terial, an Lebensmitteln. Die Besatzungsmächte - hier
die Amerikaner - requirieren zusätzlich Wohnraum, er-
lassen Ausgangssperren und sind die neuen Herren.
Vorsichtig beginnt eigene, deutsche Selbstverwaltung
auch in Bad Nauheim - und vergibt im April 1947 Grab-
land an die "Neubürger", deren materielle Not in der
Nachkriegszeit nach Flucht und Vertreibung zumeist am
größten war.
Grabland, welch ein Glück, d.h. Gemüse für den eige-
nen Kochtopf selbst erzeugen zu können. Aber bei der
103. Periode der Lebensmittelkartenzuteilung werden
die Gemüsekarten einbehalten! Die Bitte an die Verwal-

       

Historisches: unsere Vergangenheit   nach oben   »